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Each-Way-Wette bei Pferderennen – Berechnung und Anwendung

Galopprennbahn mit Pferden in der Zielgeraden bei einem britischen Renntag

Ladevorgang...

Jeder, der schon einmal britische Pferderennen verfolgt hat, kennt den Begriff Each Way. Er begegnet einem überall – in den Wettbüros, in den TV-Übertragungen, in den Diskussionen auf der Tribüne. Als ich zum ersten Mal in Ascot war und am Wettschalter «Each Way» hörte, musste ich nachfragen, was das eigentlich heißt. Die Antwort war überraschend simpel und hat meine Wettstrategie dauerhaft verändert.

Im deutschen Raum ist die Each-Way-Wette weniger geläufig, aber sie ist verfügbar – und sie verdient mehr Aufmerksamkeit, als sie bekommt. Der britische Wettmarkt, der 2026 einen Anstieg der Online-Wetten um 17 Prozent verzeichnete, basiert zu einem erheblichen Teil auf dieser Wettform. In Deutschland fehlt vielen Wettern das Bewusstsein für diese Möglichkeit. Dabei ist die Each-Way-Wette nichts anderes als eine clevere Kombination zweier Grundwetten – und genau das erkläre ich in diesem Artikel.

So funktioniert die Each-Way-Wette

An einem verregneten Nachmittag in Doncaster habe ich zum ersten Mal eine Each-Way-Wette platziert. 5 Pfund auf einen Außenseiter – Each Way. Das Pferd wurde Dritter. Und ich bekam trotzdem Geld zurück. Der Moment, in dem ich verstand, warum, war ein kleines Aha-Erlebnis.

Die Each-Way-Wette besteht aus zwei gleichwertigen Teilen: einer Siegwette und einer Platzwette. Wenn du 10 Euro Each Way setzt, investierst du in Wirklichkeit 20 Euro – 10 Euro auf Sieg und 10 Euro auf Platz. Das ist der erste Punkt, den viele falsch verstehen: Each Way verdoppelt den Einsatz.

Die Siegkomponente funktioniert wie eine normale Siegwette: Gewinnt dein Pferd, erhältst du die volle Siegquote auf deinen 10-Euro-Sieg-Anteil. Die Platzkomponente zahlt einen Bruchteil der Siegquote – üblicherweise ein Viertel oder ein Fünftel, abhängig vom Anbieter und der Starterzahl. Gewinnt dein Pferd, kassierst du beide Teile. Wird es nur Zweiter oder Dritter, verlierst du die Siegwette, erhältst aber die Platzauszahlung.

Dieses Doppelprinzip macht die Each-Way-Wette zu einem Risikodämpfer. Du verlierst nie den gesamten Einsatz, solange dein Pferd eine Platzierung schafft. Gleichzeitig profitierst du überproportional, wenn es tatsächlich gewinnt – weil du dann sowohl die Sieg- als auch die Platzkomponente ausbezahlt bekommst.

Im britischen Wettalltag ist Each Way die Standardwahl für Handicap-Rennen mit großen Feldern. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: In einem Rennen mit 20 Startern den exakten Sieger zu finden, grenzt an Glücksspiel. Aber drei oder vier Pferde zu identifizieren, die eine realistische Chance auf die Top-Plätze haben, ist mit solider Analyse machbar. Each Way setzt genau an dieser Stelle an und verwandelt eine unsichere Siegprognose in eine handhabbare Platzierungswette – mit dem Bonus eines vollen Sieggewinns, falls es doch ganz nach vorne reicht.

Berechnung – Einsatz, Quoten und Auszahlung

Die Berechnung der Each-Way-Wette ist in der Praxis einfacher als sie klingt. Nehmen wir ein konkretes Beispiel mit einem Rennen, bei dem zwölf Pferde starten. Die Siegquote deines Pferdes beträgt 12,00. Der Platzanteil wird zu einem Fünftel der Siegquote berechnet, also 12,00 geteilt durch 5 ergibt 2,40 als Platzquote.

Dein Einsatz: 10 Euro Each Way, also 20 Euro gesamt. Szenario A – dein Pferd gewinnt: Du erhältst 10 Euro mal 12,00 gleich 120 Euro aus der Siegwette plus 10 Euro mal 2,40 gleich 24 Euro aus der Platzwette, zusammen 144 Euro bei 20 Euro Einsatz. Szenario B – dein Pferd wird Dritter: Du verlierst die 10 Euro Siegeinsatz und erhältst 24 Euro aus der Platzwette, also ein Plus von 4 Euro. Szenario C – dein Pferd wird Vierter oder schlechter: Du verlierst die kompletten 20 Euro.

Die Siegwette allein macht bei Pferderennen global rund 36 Prozent des gesamten Wettvolumens aus. Die Each-Way-Wette ergänzt diesen Klassiker um eine Sicherheitsebene, die besonders bei Außenseitern wertvoll ist. Bei einem Favoriten mit Siegquote 2,50 liegt die Platzquote nur bei 1,50 oder weniger – hier lohnt sich Each Way selten, weil die Platzauszahlung den doppelten Einsatz kaum kompensiert. Bei Außenseitern mit Quoten ab 8,00 oder höher wird die Each-Way-Wette dagegen richtig interessant.

Eine wichtige Feinheit: Die Platzquotenberechnung variiert je nach Anbieter. Manche rechnen mit einem Viertel, manche mit einem Fünftel der Siegquote. Und die Anzahl der bezahlten Plätze hängt von der Starterzahl ab – bei weniger als acht Startern werden oft nur zwei Plätze bezahlt, was den Wert der Platzkomponente deutlich reduziert. Immer die konkreten Bedingungen des Anbieters prüfen, bevor du Each Way spielst.

Ein Punkt, der in der Praxis häufig übersehen wird: Die Platzquote bei Each Way ist fast immer schlechter als die eigenständige Platzquote, die du bei einer separaten Platzwette bekommst. Der Grund ist die Berechnungsmethode – ein Fünftel der Siegquote ergibt nicht denselben Wert wie eine Platzquote, die aus dem tatsächlichen Platzwetten-Pool berechnet wird. Für Wetter, die sich gut mit Quoten auskennen, kann es deshalb sinnvoller sein, Sieg- und Platzwette getrennt zu spielen und die Einsatzhöhe individuell anzupassen. Für den schnellen, unkomplizierten Zugang ist Each Way aber die bequemere Lösung.

Vor- und Nachteile der Each-Way-Wette

Ich nutze Each-Way-Wetten regelmäßig, aber nicht blind. Wie jedes Werkzeug hat diese Wettform spezifische Stärken und Schwächen, die du kennen solltest.

Der größte Vorteil ist die Flexibilität bei Außenseitern. Wenn du ein Pferd mit guter Form identifizierst, das realistische Chancen auf eine Platzierung hat, aber nicht unbedingt gewinnen muss, ist Each Way die natürliche Wahl. Du gibst dem Pferd einen breiteren Korridor zum Erfolg und sicherst dir selbst bei einer «Beinahe-Treffer»-Situation eine Teilauszahlung.

Der Nachteil liegt im doppelten Einsatz. Jede Each-Way-Wette kostet dich das Doppelte einer einfachen Wette. Wer mit einer Bankroll von 50 Euro für den Renntag arbeitet, kann sich deutlich weniger Each-Way-Wetten leisten als einfache Siegwetten. Das schränkt die Anzahl der Rennen ein, in denen du aktiv werden kannst – ein echtes Problem, wenn ein Renntag sechs oder acht Rennen bietet und du nicht bei jedem zuschauen willst, ohne im Spiel zu sein.

Ein weiterer Nachteil, den ich erst nach Jahren wirklich verstanden habe: Die Each-Way-Wette verleitet zur Selbsttäuschung. Du bekommst häufiger Geld zurück und hast das Gefühl, gut zu wetten. Aber wenn die Platzauszahlungen die Verluste der Siegkomponente nicht kompensieren, schmilzt die Bankroll trotzdem – nur langsamer und unauffälliger. Deshalb ist eine ehrliche Buchführung bei Each-Way-Wetten noch wichtiger als bei einfachen Siegwetten.

Mein persönliches System: Ich setze Each Way ausschließlich auf Pferde mit einer Siegquote von mindestens 8,00 in Feldern mit zehn oder mehr Startern. In kleineren Feldern oder bei niedrigeren Quoten trenne ich lieber manuell in eine separate Sieg- und Platzwette, bei der ich die Einsatzhöhe individuell anpasse. So behalte ich die Kontrolle über die Gewichtung beider Komponenten – etwas, das die Each-Way-Wette in ihrer Standardform nicht erlaubt. Wer tiefer in die verschiedenen Wettarten bei Pferderennen einsteigen will, findet dort den größeren Rahmen.

Bieten deutsche Anbieter Each-Way-Wetten an?
Nicht alle deutschen Anbieter bieten Each-Way-Wetten als eigenständige Wettform an. Sie ist vor allem bei Anbietern mit internationalem Fokus und bei Wetten auf britische oder irische Rennen verfügbar. Bei rein deutschen Totalisator-Wetten existiert die Each-Way-Wette in dieser Form nicht – hier kannst du aber Sieg- und Platzwette separat abgeben, um denselben Effekt zu erzielen.
Wie unterscheidet sich Each Way von einer Sieg- und Platzwette?
Die Each-Way-Wette ist im Kern eine kombinierte Sieg- und Platzwette in einem Wettschein. Der Unterschied liegt in der automatischen Verknüpfung: Beide Teile haben denselben Einsatz, und die Platzquote wird als Bruchteil der Siegquote berechnet. Bei separaten Sieg- und Platzwetten kannst du die Einsätze individuell wählen und bist nicht an die vorgegebene Platzquotenformel gebunden.